Die Buchbranche wird den Weg der Musikindustrie gehen

Man könnte ja meinen, dass die Wirtschaft lernfähig sei. Immerhin sind Innovationen ein mächtiger Wirtschaftsmotor und die meisten Konzerne leben von Innovationen, mit denen sie ihre Produkte an den Mann bringen können. Die Buchindustrie ist jedoch ein Beweis dafür, dass man auch ohne größere Innovationen durch die Jahrzehnte kommen kann.

Diese Erkenntnis braucht man wohl um zu verstehen, warum die Buchindustrie nun den Weg der Musikindustrie einschlägt, obwohl sie es eindeutig besser wissen müsste.

Der Börsenverein des Buchhandels hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse einen Rundumschlag gegen die deutsche Netzcommunity geführt. Unter anderem wurden “Warnhinweise” vor illegalen Download gefordert. Der Weg zu Netzsperren(die technisch wohl ähnlich aussehen würden) ist da eindeutig nicht weit. Als nächstes wird sicherlich ein 3-strikes-model gegen Downloader gefordert.

Dabei ist das große Problem des deutschen Buchhandels, dass er augenscheinlich die aktuellen Entwicklungen komplett verschläft. In den USA werden bereits 8% der Bücher als Ebooks verkauft, Tendenz stark steigend. Amazon verkauft in den USA bereits mehr Ebooks als normale Bücher. Und der deutsche Markt droht mal wieder zu stagnieren. Während man mittlerweile 837000 englischsprachige Bücher bei Amazon kaufen kann, bieten die deutschen Verlage gerade einmal 45000 an.

Auch die Preispolitik ist durchaus nicht unproblematisch. Taschenbücher kosten hierzulande ein Vielfaches dessen, was sie in den USA kosten. Das mag viele Gründe (Übersetzungskosten, Buchpreisbindung, Verlagspolitik, bessere Buchqualität) haben. Dennoch ist es ein Fakt, dem sich die deutsche Buchindustrie stellen muss.

So lange es die meisten Bücher nicht zu günstigen Preisen(und damit meine ich deutlich unter dem Preis des gebundenen Buches), so lange darf sich die Buchindustrie auch nicht über die Piratenpartei beschweren und so lange sollte sie wirklich vorsichtig mit ihren Forderungen sein.

Die Musikindustrie hat ihren Fall und den Verlust riesiger Umsatzzahlen nochschon hinter sich. Die Verlage werden diesen Weg wohl noch vor sich haben.

Und noch eine Gefahr droht den großen Verlagen: Durch das Internet ist es viel einfacher Bücher selbst zu verlegen. Die Musikindustrie hat den Vorteil, dass das Produzieren eines guten Albums sehr teuer ist. Die Buchindustrie hat diesen Vorteil nicht.

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