Archiv nach Schlagworten: Feminismus

NSU-Prozess: Die Brigitte ist dabei. Und das ist gut so.

Der NSU-Prozess wird bereits jetzt in die Geschichte eingehen. Zumindest Jurastudent*innen werden künftig in Grundrechtsvorlesungen von ihm hören. Und auch in juristischen Skripten wird er die nächsten 10-20 Jahre sicherlich als Präzedenzentscheidung für die Vergabe von Presseplätzen in Gerichtsprozessen genannt werden.

Nun wurden also sämtliche Plätze für die Presse neu verteilt. Und das, obwohl dies nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts überhaupt nicht notwendig war. Die Verlosung war sicherlich das einfachste und gerichtssicherste Verfahren. Aber war es auch das gerechteste? Das kann man jedenfalls anzweifeln. Während die TAZ und die Süddeutsche Zeitung nicht berücksichtigt wurden, obwohl sie bislang am meisten über den Nationalsozialistischen Untergrund berichtet haben, werden Medien wie die Oberhessische Presse Marburg, die Allgäuer Zeitung und natürlich die Brigitte berücksichtigt. Ausgerechnet die Brigitte. Die Personifikation der deutschen Frauenmagazine. Der Shitstorm, der über der Brigitte niederging war durchaus beachtlich.

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#Aufschrei – Alltagssexismus am Pranger

Seit heute Nacht trendet ein Hashtag, der den Alltagssexismus in Deutschland anprangert. Unter dem Hashtag #aufschrei tauschen sich hauptsächlich Frauen über sexistisches Verhalten in ihrer Umwelt aus. Ihren Anfang hatte diese Diskussion bei diesem Tweet von Marthadaer, aus dem in kürzester Zeit eine der beeindruckensten Debatten entstanden ist, die ich bisher bei Twitter mitbekommen habe.

Ihren Ursprung hat die Diskussion über Alltagssexismus in einem Artikel von Anne Meiritz im Spiegel, der den sexistischen Umgang einiger Mitglieder der Piratenpartei mit Journalisten zum Thema hatte. Weiter ging es im Stern, wo Franziska Reich und (das wird in der Diskussion gerne vergessen) Andreas Hoidn-Borchers den alltäglichen Sexismus innerhalb der Politik am Beispiel von Brüderle problematisiert haben.

Doch nicht nur in den großen Medien wurde dieses Thema aufgegriffen. Auch die Bloggosphäre hat sich des Themas glücklicherweise angenommen. Als Beispiel sollte man da diesen Artikel des neugestarteten Blogs kleinerdrei.org und diesen Artikel von Mina lesen. Beispiele aus dem Alltag von Frauen.

Aber natürlich kam es wie es kommen musste. Die Maskulinisten übernahmen das Thema. Auf einmal war von Kollektivschuld die Rede. Davon, dass die “bösen” Feminazis wieder die armen Männer fertig machen wollten. Zum Glück waren diese Männer in der Minderheit, aber es gab sie trotzdem.

Auch ich kam kurz ins Grübeln. Wie oft in Feministischen Diskussionen muss man sich überlegen, ob das wirklich ein Geschlechterproblem ist, über das man hier reder oder ein Problem, das auch Männer betrifft. Die Antwort auf diese Frage ist hier nicht so einfach. Natürlich gibt es es sowohl sexistische Kommentare von Frauen an Frauen wie auch sexististisches Handeln von Frauen gegenüber Männern.

Und trotzdem halte ich Alltagssexismus für eine klassische Geschlechterfrage, bei der man oft merkt, dass die Tage des Patriachats doch noch nicht gezählt sind. Ich bin 27 Jahre alt. Ichbin in dutzenden von Discos gewesen, habe extrem viel Leute kennengelernt, war auf Festivals, Bällen und auf diversen anderen Veranstaltungen. Und doch habe ich nie mitbekommen, dass ich explizit sexistisch behandelt wurde. Keine Menschen, die mir zu Nahe gerückt sind, keine griffe an meinen Po und keine Menschen, die mich nur als Sexobjekt behandelt haben.

Wenn ich mit den Frauen aus meinem Freundeskreis rede nun… dann ist das Bild ein extrem anderes.

Da ist die Frau, die mit 13 Jahren von ihrem ersten Freund vergewaltigt wurde, nachdem sie ihn gesagt hat, dass sie 2 Wochen Beziehung zu früh für Sex findet.

Da ist die Frau, der von ihrem Arbeitgeber 2 Wochen nach der Einstellung eine Gehaltserhöhung angeboten wurde. Voraussetzung: Sie schläft mit ihm.

Da ist die Frau, die mit 16 von Jungen so betrunken gemacht wurde, dass sie sich bis heute nicht daran erinnern kann, was damals passiert ist. Ihre Eltern haben ihren Hilferuf ignoriert. O-ton:”Was trinkst du auch so viel? Bist ja selbst Schuld”

Da ist die Frau, die mit 16 von ihrem Freund betrunken gemacht wurde und dann vergewaltigt wurde. Was machen ihre Eltern? Laden ihren ganzen Freundeskreis ein und erzählen alles. Im Detail. Bewertung:”Da seht ihr mit was für einem Flittchen ihr befreundet seid”.

Da ist die Frau, die 10 Jahre lang von ihrem Vater und ihrem Großvater vergewaltigt wurde. Das Jugendamt schickt sie immer wieder zurück. Selbstmordversuche? Liegen nur an depressiver Veranlagung.

Da ist die Frau, die 2 Jahre lang mit ihrem Freund schläft obwohl sie sich vor ihm ekelt, da er nur einmal die Woche duscht. Aber es “gehört ja dazu”.

Diese Liste könnte ewig so weiter gehen. Je mehr ich darüber nachdenke desto mehr Beispiele fallen mir ein. Alle liebe Männer. Beschwer euch nicht über Kollektivschuld. Denkt darüber nach ob ihr was falsch gemacht habt. Wenn dem so ist, dann ändert was. Wenn dem nicht so ist dann haltet einfach eure Klappe oder unterstützt Frauen in ihrem Kampf gegen Alltagssexismus. Denn das was nicht sein soll ändert sich nur, wenn sich alle ändern. Mit Courage wenn sie notwendig ist. Und mit Zurückhaltung wenn ihr nicht erwünscht seid. Aber nicht mit beleidigten Kommentaren und kindischen Verhalten. So zeigt ihr nur, dass die Aufschrei berechtigt ist. Auch euch gegenüber.

Liebe Männer*: Der Feminismus tut auch euch gut.

Esme Grünwald schreibt in ihrem Blog, dass sie nicht über Männer im Patriarchat bloggen möchte. Zum einen, weil sie glaubt, dass ihr Artikel Maskul(in)ist*innen als Argumentationshilfe dienen würde und zum anderen, weil sie meint, dass es nicht ihre Aufgabe ist Männer zum Feminismus zu animieren.

Und damit hat sie recht. Es ist nicht die Aufgabe des Feminismus Männer mitzunehmen. Genau so wie es nicht die Aufgabe der Anti-Sklavereibewegung war die weißen Männer* mitzunehmen, analog zur Bewegung, die das Frauenwahlrecht erkämpft hat.

 

Nein liebe Männer*, es ist unsere Aufgabe für den Feminismus zu kämpfen. Denn auch wenn wir strukturell vom Patriarchat profitieren so ist das Patriarchat dennoch nicht gut für uns. Das klingt natürlich auf den ersten Blick ziemlich merkwürdig. Wie können wir von etwas profitieren, das uns augenscheinlich etwas wegnehmen will? Nun das ist relativ einfach zu erklären. Wir Männer* profitieren von feministischen Strukturen. Auch wenn das erst nicht so offensichtlich ist. Weiterlesen »

Feminismus rockt

Dass ich Feminist bin ist ja nun keine sonderlich neue Information, auch wenn mir auffällt, dass in bei dem Thema in zunehmendem Maße radikal werde. Mir fallen frauenfeindliche Witze zunehmend negativ auf und je häufiger ich Kopfschütteln für meine Reaktionen auf diese Witze ernte, desto überzeugter bin ich davon, dass wir ein gesellschaftliches Problem haben, das vielen Leuten gar nicht bewusst ist.

Sehr schön zu diesem Thema ist ein Blogeintrag von Schwarzblond im Kegelclub. Sie zeigt sehr gut auf, warum frauenfeindliche Witze nun mal nicht okay sind, egal von wem sie vorgetragen werden, auch von Frauen nicht.

Doch auch Männer wollen zu diesem Thema nicht länger schweigen. Zwei grüne Männer, Sven Lehmann und Sven-Christian Kindler haben es jetzt sogar zu einem Artikel in der Emma gebracht. Doch gerade bei den Grünen ist schon länger etwas aus der Ecke zu hören. So wurde vor einiger Zeit das grüne Männermanifest veröffentlicht, in dem sich viele Grüne Männer als pro emanzipatorisch und pro feministisch dargestellt haben. Auch haben die Männer dort klargemacht, dass Männer auch in ihrem Rollenbildern gefangen sind und dass sie sich diesen nicht länger unterordnen wollen. Wirklich lesenswert der Text.

Und last but not least möchte ich euch noch dieses Video ans Herz legen in dem eine 13-jährige über Slut Shaming redet. Tolles Videoblog, das die Probleme vom Slut Shaming sehr schön verdeutlicht.

Die Sache mit dem Sexismus

Marina Weisband(politische Geschäftsführerin der Piratenpartei) hat in einem sehr langen und intensiven Artikel ihre Rolle in den Medien thematisiert. Insbesondere beschreibt sie das Problem, dass sie als Frau innerhalb der Piratenpartei deutlich weniger wahrgenommen wird, als ihre männlichen Kollegen im Vorstand. Oder nein, das heißt wahrgenommen wurde. Seit der Bundespressekonferenz am 5. Oktober 2010 wird Marina gehypt. Als das “weibliche Gesicht” der Piraten, als die “schöne Frau” und vieles mehr.

Dass sie dabei in einer beispiellosen sexistischen Art auf ihr Aussehen, ihre Hobbys und ihre Kleidung reduziert wird, ist nur konsequent. Selbst die linke TAZ hat aus einem halbtägigen Interview, bei dem sie Beispielsweise 30 Minuten lang ihr ideales Schulsystem erklärt hat nur ein “Wohnzimmerfeature” gemacht, in dem nicht eine einzige politische Aussage erwähnt wird.

Doch halt, eigentlich geht es mir gar nicht um Marina. Es geht mir hier um die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Gestern bin ich über den Piratenmond, einen Newsfeed für Blogeinträge, auf die Vorstandsseite der Piratenpartei Hannover gestoßen. Was mir als erstes aufgefallen ist: 7 Mitglieder im Vorstand und keine Frau. Nun konnte ich mich nicht zurück halten und habe das getwittert. Weiterlesen »

Wikipedia ist ein Männerclub: Eine Erklärung

Andreas Kemper bei “der Freitag”. Er erklärt warum die Community bei Wikipedia extrem männerdominiert ist und warum man als Feminist*in keine Chance hat. Das ganze klingt ziemlich bedrohlich und ist es wohl auch, wenn man bedenkt, welche Rolle Wikipedia in der öffentlichen Meinungsfindung mittlerweile hat.

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Geschlechterkonstruierung über die Sprache

Sehr interessantes Video über einen Jungen, der aufgrund seiner Stimme 20 Jahre lang für ein Mädchen gehalten wurde. Via Mädchenmannschaft.

Stimme X/Y from Maria Helena on Vimeo.