Sehr interessantes Video über einen Jungen, der aufgrund seiner Stimme 20 Jahre lang für ein Mädchen gehalten wurde. Via Mädchenmannschaft.
Stimme X/Y from Maria Helena on Vimeo.
Sehr interessantes Video über einen Jungen, der aufgrund seiner Stimme 20 Jahre lang für ein Mädchen gehalten wurde. Via Mädchenmannschaft.
Stimme X/Y from Maria Helena on Vimeo.
Seitdem die Piratenpartei in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen ist tobt eine der heftigsten Genderdebatten, die ich bisher miterleben durfte. Größter Aufhänger hierbei: Die Tatsache, dass die Piraten nun 14 männliche und eine weibliche Abgeordnete stellen.
Die Piraten verteidigen sich insbesondere mit dem Argument, dass Frauen und Männer mittlerweile gleich berechtigt seien und dass sie nichts dafür können, dass nur so wenig Frauen auf die Liste wollten. Das wird natürlich von der feministischen Szene stark kritisiert, klingen die Argumente doch ähnlich wie die Argumente, die CDU/CSU und die FDP nennen, wenn es um Debatten zur Frauenquote geht.
Doch wie kommt gerade eine progressive Partei wie die Piratenpartei zu einer derartigen Aussage?
Das lässt sich kaum erklären ohne weit aus zu holen:
Das Internet gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten. Die breite Masse nutzt das Internet seit etwa 2000 in zunehmendem Maße. Social Networks in der heutigen Form gibt es zwar erst seit knapp 4 Jahren, sie unterscheiden sich jedoch nicht großartig von den früheren Communities, wenn man die extrem große Reichweite und die damals gebräuchlichen Nicknames nicht beachtet.
Diese “Web 1.0″ Communities waren nahezu ausschließlich über Nicknames organisiert, denen man nicht unbedingt ansehen konnte, ob die Nutzer*innen hinter diesen Nicks nun männlich oder weiblich waren. Insbesondere in Chats ohne größere Profile konnte man grundsätzlich erst mal nichts über die Identität der Person hinter dem Nick feststellen.
Dies führte natürlich dazu, dass man die Nutzer*innen automatisch gleich behandelt hat. Man wurde nicht von den (durch die Gesellschaft eingeprägten) Vorurteilen beeinflusst. Dies führte jedoch auch zu einer verzerrten Außenwahrnehmung. Wenn das Netz Frauen nicht diskriminiert, dann kann es die Gesellschaft natürlich auch nicht tun.
Im Gegenteil. Im Umkehrschluss wurde nun angenommen, dass eigentlich die Männer diskriminiert wüden. Wenn die Gesellschaft keine Frauen diskriminiert, dann müssen natürlich auch alle Maßnahmen gegen eine Diskriminierung automatisch unzulässige Förderung von Frauen (und damit Männerdiskriminierung) sein.
Dabei vergisst die Netzcommunity leider, dass Frauen immer noch auf verschiedenste Arten diskriminiert werden. Sei es von Arbeitsverboten in der Schwangerschaft(insbesondere in der Forschung), die dazu führen, dass junge Frauen in bestimmten Bereichen gar nicht eingestellt werden, oder sei es durch eine schlechte Wiedereingliederung von Frauen nach einer Schwangerschaft, die sämtliche Karrieremöglichkeiten zerstört. Natürlich sind Schwangerschaften nur eines von vielen Problemen, die Frauen in der heutigen Gesellschaft haben. Oder wie viele Filme über eine Superheldin wurden in den letzten 10 Jahren gedreht?
Das Netz sieht diese Probleme selbstverständlich nicht, weil es immer noch in der Situation vor den Social Networks gefangen ist. Mir geht es ja persönlich nicht anders. Ich selbst brauchte erst lange Zeit um zu verstehen, wo das eigentliche Problem liegt.
Das Problem ist nämlich heutzutage nicht mehr die offene Diskriminierung. Natürlich dürfen Frauen alles und natürlich sind Frauen auch in bestimmten Bereichen bevorzugt. Frauen machen mittlerweile im Schnitt sogar das bessere Abitur.
Aber guckt euch doch nur einmal das Führungspersonal an. Und zwar nahezu egal wo. In den 16 Bundesländern sind gerade einmal 2 Frauen an der Spitze. Die wenigsten Bundesländer haben paritätisch besetzte Regierungen. Wir hatten seitdem es die Bundesrepublik gibt nicht eine einzige Bundespräsidentin. Der SPD Bundestagsfraktion stand noch nie eine Frau vor, ebenso wie die SPD noch nie eine Bundesvorsitzende hatte. Angela Merkel war die bislang einzige Frau, die der CDU (und vorher der CDU-Bundestagsfraktion) vor stand. In keiner deutschen Partei gibt es auch nur 40% Frauen.
Ähnlich sieht es leider auch im Netz aus. Die großen Blogs werden fast ausschließlich von Männern betreut. Auch die Enquete-Kommission hat eine ziemlich schlechte Frauenquote (25 Männer und 9 Frauen), wobei die Linkspartei einiges ausgleicht, indem sie zwei weibliche Abgeordnete und zwei weibliche Sachverständige stellt.
Das alles zeigt, dass das Netz und die Gesellschaft längst nicht Postgender sind. Es mag sich so anfühlen, aber die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Es liegt an uns allen diese Situation zu ändern. Dabei reicht es eindeutig nicht nur zu sagen, dass das Netz auch Frauen offen steht. Das ist klar. Aber die strukturelle Diskriminierung muss auf allen Ebenen beendet werden. Das bedeutet auch: Keine Frauenwitze mehr, seien sie noch so lustig. Kein Gerede mehr von der angeblichen Diskriminierung der Männer und absolut kein “Gib mal her, ich mache das für dich”, wenn eine Frau Probleme bei technischen Fragen hat. Erklären ist angesagt liebe Männer. Ein sehr interessanter Artikel an dieser Stelle: HOWTO: Wie ermutigt man Frauen, sich mit Computern auseinanderzusetzen